Brainstream

... muss schreiben!

"Ein Leben ist nicht genug!"

Diese Erkenntnis ereilt mich immer wieder.
Die Welt ist so groß, die Menschen so unterschiedlich, die Natur so gewaltig, die Begegnungen so interessant, die Kulturen so vielschichtig, die Erlebnisse so unterschiedlich – wann soll man dies alles erfahren dürfen? In der uns gegönnten, einen Zeitspanne zwischen Geburt und Abdankung sicherlich nicht.
Natürlich muss man nicht alles gesehen, erfühlt und durchlebt werden. Die letzten Generationen hatten ohne dies das außergewöhnliche Glück, durch die neuen Medien von Dingen zu erfahren und zumindest 2D-flachkopiert zu Gesicht zu bekommen, von denen sie vorher nicht einmal zu träumen gewagt hätten...
Aber ist das nicht auch ein Fluch? Ist die Welt nicht zu groß für einen Menschen, für ein Leben?
Werden in uns nicht Sehnsüchte geweckt und Hunger geschürt nach einem ganzen Universum an Eindrücken, dessen wir von Natur aus durch unseren begrenzten Radius alleine schon gar nicht gewachsen sind? Und verlieren wir dabei nicht die kleine, beschauliche, aber ebenso voll Wunder und Besonderheiten durchwirkten Welt um uns herum?

Ich für meinen Teil habe für mich eine Lösung gefunden, die mich am Boden hält und mit der ich trotzdem die Welt erlebe, in der ich mit den unterschiedlichsten Charakteren Erfahrungen sammle und Abenteuer bestehe... Ich schreibe Geschichten.

Nun, im Endeffekt ist das genau die Aussage, die sie wahrscheinlich auch von jedem Regisseur, Produzenten und... natürlich, auch von jedem Schauspieler hören werden. Aber genau so ist es!

Die täglich Arbeit, die uns davon abhält, all das auf dieser Welt zu erleben, nach dem unser Herz begehrt, unsere Neugier uns treibt, unser Wissensdrang verlangt, unsere Sinne sich sehnen oder unsere eigentliche Bestimmung uns führen würde, all dies zu leben...
Sie, diese tägliche Verpflichtung, dieser Raub an Lebenszeit und universeller Energie, sie ist das Nadelöhr, das so oft verstopft ist.
Und trotzdem, natürlich... es ist richtig so, wie es ist. Nicht nur, weil es ökologisch eine Jahrtausend-Katastrophe wäre, wenn alle plötzlich frei herumlaufen würden... Nein, viel einfacher.
Weil es dann keine Träume mehr gäbe. Kein Streben mehr, kein Verlangen, keine Sehnsucht, keine Wertschätzung und keine Phantasie mehr!

Doch gerade aus diesem Durst, diesem Hunger und diesem Verlangen heraus schöpfen sich die Geschichten, die wir träumen und erfinden und die wir aufschreiben; Um sie dann mit allen Anderen teilen zu können, in denen die gleichen Sehnsüchte schlummern.

Und genau darum will und muss ich schreiben!
Schreiben von Aaron und dem Altai, von der HighSociety und der Kunst, von Leidenschaften und der Schizophrenie, von Freundschaft und Betrug, von Illusionen und der komischen Seite des Alltäglichen.
Schreiben von Dingen, die ich erlebt habe und die ich nie erleben werde, von Abenteuern, die ich durchstanden und Schiksalschlägen, die mich nie getroffen haben, von Träumen die ich geträumt aber sie außer auf Papier nie in die Tat umsetzen werden kann...