Spurlos

Roman

Mein Erstlingswerk, mein erster Roman, an dem ich mich ausprobieren möchte.
Schon vor Jahren haben mich Gedanken zu diesem Thema inspiriert.
Was ist, wenn...
Du eines Tages aufwachst und du befindest dich an einem völlig fremden Ort. Du weißt weder, wie du dort hingekommen bist noch was der Grund für diese Situation ist. Es ist niemand Anderer in der Nähe, der dir weiterhelfen könnte. Keine Straße, kein Haus, kein Zeichen irgend einer Zivilisation.

  • Was denkst du?
  • Wie fühlst du?
  • Wie gehst du vor?
  • Wozu bist du fähig?

Der Anfang war da, aber wie sollte es weitergehen? Meine Phantasie bekam Flügel und meine Neugier trieb den Protargonisten voran. Wie die Story ausgehen wird?
Ich wußte es selbst nicht. Diese Geschichte hatte sich völlig eigenständig entwickelt, Dinge geschahen einfach und oft genug war ich selbst von den Wendungen und dem Verlauf der Handlung überrascht. Ich habe Aaron eigentlich nur im Geheimen begleitet. Er hatte von mir zu keinem Zeitpunkt eine Weisung erhalten noch versuchte ich den Verlauf zu beeinflussen.

Es war für mich spannend, diese Geschichte zu schreiben. Natürlich hoffe ich, dass es ebenso fesselnd ist, sie zu lesen. Hier Auszüge aus zwei willkürlich gewählten Passagen.

Aus dem ersten Kapitel:

Unweit einer Felssäule durchbricht ein dunkler Schatten die weichen Konturen der Landschaft. Zerrissene Wolken ziehen über den weiten, endlos blauen Himmel; im Gefolge ihre treuen Schatten, die tanzend über die Ebene huschen und mit den fahlen Farben der leicht hügeligen Steppe spielen. Kleine Inseln aus dichtem, kniehohen Gras im Wechsel mit kargen, graubräunlichen Schotterflächen. Vereinzelt ragen mannshohe und mit Flechten bewachsene Granitsäulen aus dem Boden, als ob sie einem sehr alten und vergessenen Kult entsprangen. Doch sind auf der verwitterten, matt schimmernden Oberfläche keinerlei Inschriften zu erkennen. Der Wind säuselt durch die steifen Gräser und singt um die skurrilen Steine mit leiser Stimme das Lied der Unendlichkeit.
Unweit einer Felssäule durchbricht ein dunkler Schatten die sonst so weichen Konturen der Landschaft. Es ist der regungslose Körper eines Menschen.
Er liegt bäuchlings auf hartem Geröll, ein Bein leicht angezogen, das Haupt auf dem rechten Arm ruhend. Der andere Arm liegt schlaff nach vorne gerichtet. Sanft bewegt der Wind einzelne der hellen Haarsträhnen, die seitlich das Gesicht eines Mannes und ein Stück weit hinab den ganzen Nacken bedecken. Seine Augen sind geschlossen, Speichel sickert über die leicht geöffneten Lippen zu Boden. Die feingliedrigen Hände zeigen keine Schwielen, keinen Schmutz unter den Fingernägeln. Keine Kratzer oder Narben sind auf der hellen Haut zu erkennen.
Die Kleidung des Mannes ist modisch, lässig, sauber. Er trägt knöchelhohe, geschnürte Wildlederboots mit fester Sohle und eine blaugraue, weite Hose mit Beintaschen. Unter der sandfarbenen Stoffjacke, die der Wind am Rücken umgeschlagen hat, bekleidet ein schwarzes T-Shirt den schlanken Oberkörper des Mannes. Sein schwarzes Baseballkappe hat sich einige Meter entfernt an einem Grasbüschel verfangen.
An dem Körper des Mannes sind keine Anzeichen äußerer Einwirkungen oder irgendwelcher Gewaltanwendungen ersichtlich, keine Fuß- oder Schleifspuren auf dem Sandigen Boden auszumachen und weit und breit ist kein Fahrzeug in Sicht. Die Bekleidung des Mannes passt nicht so recht in diese Umgebung. Er selbst passt nicht in diese einsame, unwirkliche Gegend. Für einen Traveler ist seine Kleidung zu leger, zu modisch, zu dünn. Sie entspricht auf jeden Fall nicht einer funktionalen Kleidung, wie sie zum Beispiel bei einem Outdoor-Trip in solch entlegenen Gefilden ratsam wäre.
Die Haltung des liegenden Körpers wirkt erschöpft und spannungslos. Die schlanke, gut proportionierte Figur, die gepflegten Hände und das helle, volle Haar lassen auf ein Alter von etwa dreißig, vielleicht fünfunddreißig Jahren schließen.

 Unermüdlich und mit gleichbleibender Tendenz ziehen die Wolken durch den weit gespannten Himmel dahin. Die Sonne hat ihren Zenith bereits überschritten und allmählich schieben sich immer länger werdende Schatten von den großen und kleinen Erhebungen über die Ebene hinweg. Eine kleine Eidechse lugt zwischen großem, rundlichem Geröll hervor, huscht weiter in den Schatten des regungslosen Leibes. Nun, geschützt vor dem Wind, tastet sie sich Stück für Stück voran, bis ihr eine lange Haarsträhne den Weg versperrt. Sie erstarrt. Mit einem gehobenen Vorderbein verharrt sie. Doch dann, nur einen Moment später, setzt sie ihren Weg fort und findet in einer kleinen Steinspalte Unterschlupf.
Der Strom der Wolken verlangsamt sich, wird lichter und transparenter. Es ist Nachmittag geworden. Auch der Gesang des Windes verliert sich in leisem Geflüster.
Nun schaufelt sich ein kleiner schimmernder Käfer mühsam über den sandigen Boden und stößt an die Kuppe eines Zeigefingers. Als sich dieses Gliedmaß daraufhin etwas streckt, vergräbt sich der Käfer blitzschnell unter den feinen braunen Sandkörnern an Ort und Stelle.
Die Hand des Mannes durchfährt jetzt eine kaum sichtbare Regung und zieht sich weiter den Arm hinauf über die Schulter bis hin zum Nacken. Es scheint gerade so, als ob der kleine Käfer mit diesem winzigen Impuls seiner Berührung dem schlaffen Leib des Menschen wieder Leben eingehaucht hätte.
Doch die erste Regung verpufft und die Starre der Unbeweglichkeit ist wieder zurückgekehrt. Nur der Wind hebt dünne Haarsträhnen, lässt sie unaufhörlich über die Wange streifen, als ob nun endlich eine zärtliche Hand durch sanftmütiges Streicheln den leblosen Körper aus den Tiefen des Schlafes erwecken möchte.
Da öffnet sich in Zeitlupe geschwächt eines der Augenlieder und ein klarer, weißer Augapfel blitzt unter den Wimpern hervor. Langsam dreht sich die Pupille in das Sichtfeld ein, gesäumt von einer grünblauen Iris. Es folgt ein lauer Atem, gewinnt dann allmählich an Volumen. Dann durchbohrt der abwesende Blick lange den nahen Sand vor sich.
Das Auge glänzt und beginnt, die nähere Umgebung abzutasten. Haltlos folgt es verschwommen Konturen. Fragend beginnen sich die Augenbrauen zu heben. Doch das Lid wird bald schon wieder schwer, beginnt sich sanft zu schließen; bei jedem Ausatmen ein Stückchen weiter. Dann hat der Schlaf den Körper des Mannes wieder vereinnahmt.

Das Band der zerklüfteten Wolken schiebt sich in konstantem Tempo weiter von einem Horizont zum anderen und jeder vorbeiziehende Wolkenfetzen gleicht dem Ticken der allumfassenden, universellen Zeitmaschine, die die Gegenwart, von Anbeginn der Zeit, unwiderruflich in Vergangenheit verwandelt. So rinnt die Zeit viele Momente an diesem Körper vorbei, bis dessen Lebensgeist irgendwann beschließen wird, sich wieder in den Strom der Gegenwart mit einzureihen.

Zuckend öffnet sich das Auge einige Zeit später erneut. Auch der steife Nacken beginnt sich nun langsam anzuheben. Speichel zieht sich in einem Faden von den trockenen Lippen in den Staub. Beschwerlich fokussieren seine Augen die nahe Umgebung. Schließlich hebt der Mann schützend eine Hand der blendenden Sonne entgegen, stützt sich dabei auf den anderen Ellbogen auf. Während er inne hält, rieseln feine Körner aus seinen Haaren. Da zieht der Mann langsam ein Bein an seinen Körper, stützt sich auf das Knie und hebt nun seinen ganzen Körper an. Schwankend kommt er aufrecht zum stehen.
Der Wind saugt den Staub aus seinen Kleidern, so dass es für kurze Zeit so scheint, als wehe eine hauchdünne Fahne an seiner Seite.
Der Mann wankt zu einer der nahen Steinsäulen, lehnt sich rücklings dagegen. Er streckt das Gesicht in den Wind und reibt sich mit seinen Fingern den Sand aus seine Augen. Dann beginnt er mit verschwommenen Blick die Umgebung zu erkunden. Er braucht einige Zeit, bis er sich an die Helligkeit gewöhnt hat. Seine Augen schweifen über Gräser, Geröllfelder, Staub, ein weites Tal vor einer unendlichen und monotonen Landschaft.
Schlagartig verändert sich der Ausdruck seines Gesichtes. Er wirkt erschrocken, tastet hastig den Horizont noch einmal ab.
„Wo...“ stößt es verwirrt aus seiner Kehle: „verdammt, wo... wie... „
Sein geschockter Blick wechselt links, rechts, links..., dazwischen gestammelte, unverständliche Laute. Hastig, flach Atmend wendet er sich in alle Richtungen: „Wo, verdammt noch mal, wo bin ich hier?!“
In seinem Kopf kann er keinen klaren Gedanken fassen und in seinen Gesichtszügen dominiert zunehmend pure Panik.
Er erkennt, dass er sich in der Mitte eines langgezogenen, flach ansteigenden Hügels befindet. Seine Blicke suchen nach einer Antwort. Schnellen Schrittes drängt er eilig der Anhöhe entgegen, um sich eine Übersicht zu verschaffen. Seine Logik vertraut auf eine erklärbare Entdeckung auf der anderen Seite des Hügels. Auf Straßen, Häuser, eines Parkplatzes, einer Kleinstadt, einem Bild, durch das er sich wieder an die letzte Nacht und den Hergang erinnern kann. „Ja, bestimmt, du kommst gleich darauf, wirst sehen...“
Wenige Meter trennen ihn noch von einer uneingeschränkten Rundumsicht. Erstes Stimmengewirr scheint zu ihm herüber zu dringen. Er ist erleichtert.
Seine Schritte werden schneller und ein lächeln auf seinen Lippen kündigt die Vorfreude an. Doch da stoppt er apruppt. Sein Gesicht versteinert. Mit unfassbarer Geste blickt er mit weit aufgerissenem Mund über den Grad auf die andere Seite des Hügels.
„Nichts...“ kommt es entsetzt über seine Lippen und starrt dabei in die Menschenleere. „Aber wo zum Teufel...“ bricht es laut aus ihm heraus: „Wo verdammt noch mal bin ich hier?“
Fassungslos schweift sein Blick über unendliche Steppe, in deren weit auseinander aufragenden Grasbüscheln sich säuselnd nur der Wind fängt.
Keine Menschen, keine Straßen, keine Kleinstadt. Nicht einmal eine Stromleitung, eine Bahntrasse oder eine Dirtroad. Nichts als unendliche Steppe. Geschockt lässt sich der Mann auf den Boden herab, sinkt auf seine Knie.

In seinem starren Blick herrscht völlige Ratlosigkeit. Er wirkt wie gelähmt.

In eigener Sache:

Dieser Roman wurde im Oktober 2009 fertiggestellt. Somit liegt er zur Veröffentlichung bereit ;0)

Interessierte Verlage / Agenten sende ich gerne eine Leseprobe zu.

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